Ein internationales Experiment und Angebot steht uns ins Haus: der erste "Massive Open Online Course" (MOOC) zu Moodle mit dem Titel "Inspiring better Teaching everywhere". Er wird von Mary Cooch, einer sehr erfahrenen Lehrerin und Fortbildnerin entwickelt und geleitet, ist kostenlos und weltweit zugänglich.

Zum Schuljahresbeginn 2013/14 wollen nun zwölf neue Schulen im eXplorarium starten und viele weitere stehen auf der Warteliste. Alle haben an der Aktion "Berlin wird kreidefrei" im Rahmen des eEducation-Masterplans teilgenommen und werden gerade mit Interactive Whiteboards ausgestattet.

Alle unsere Lernplattformen laufen nun mit der aktuellen Moodle-Version 2.5.1. Die Formulare zum Einrichten von Aktivitäten sind auf den ersten Blick viel kürzer, weil weniger genutzte Funktionen "zusammengeklappt" sind.

An der Freien Universität Berlin finden am 15. und 16. Februar 2013 die MINT-Lehrertage 2013 statt.
Die Fachtagung richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer des Fächerspektrums Sachunterricht, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Ein Erfahrungsbericht von Jenny Glase, Lehrerin an der Allegro-Grundschule in Tiergarten, über ihren Einstieg in die Arbeit mit der Lernplattform

Nach Präsentationen des eXplorarium in Schulen hören wir immer wieder, dass viele den Ansatz interessant finden und gerne mitarbeiten würden, allerdings erscheint ihnen der Zeitaufwand der Einarbeitung sehr hoch. Ganz anders ging dagegen Jenny Glase an ihren ersten Kurs heran. Nach den Osterferien hat sie mit ihrer 5. Klasse eine Geschichten-Werkstatt zusammen mit der Dozentin Susanne Schneider durchgeführt. Wir haben sie zu ihren Erfahrungen über den Einstieg befragt.

 

Wie sind Sie auf das eXplorarium aufmerksam geworden?Jenny Glase

Das eXplorarium wurde mir von Kolleginnen empfohlen, die mich angesprochen haben und damit an meiner Schule schon arbeiten, und dann haben wir das nach Ostern zusammen mit der Dozentin Susanne Schneider mit einem Modellkurs ausprobiert. Eingestiegen bin ich mit der Geschichten-Werkstatt. Vor der inhaltlichen Arbeit haben wir mit den Kindern eine Einführung gemacht, um das eXplorarium erstmal kennenzulernen. Wir haben dazu verschiedene Übungen gemacht, wie man ein Profil erstellt und die Plattform bedient und wie man anderen Kindern ein Feedback geben kann. Die Schüler/innen haben dann ihre Geschichten meist in Kleingruppen geschrieben und konnten sich in Form einer kleinen Schreibkonferenz gegenseitig Rückmeldung geben. Am Ende konnten wir das als vollwertigen Aufsatz für den Deutschunterricht bewerten, online stellen und die Kinder ihre Geschichten auch vorlesen lassen.

War für Sie eine umfangreiche Vorbereitung vor dem Beginn notwendig?

Für mich persönlich ist Moodle relativ intuitiv zu bedienen. Susanne, die Dozentin, saß schon ein bisschen mit mir und hat es mir erklärt und macht das auch zwischendurch immer noch, immer ein Stück weiter, aber es ist leicht verständlich, man kann dabei einfach nicht viel falsch machen, man kann einfach ausprobieren. Und bei den Kindern war es ähnlich: Es ist eine schöne Menüführung, man kann wirklich nicht groß was falsch machen und viel durch Ausprobieren verstehen. Eine lange Einarbeitungszeit in diesem Sinne brauchte ich daher eigentlich nicht.

Ging es den Kindern ähnlich?

Die Kinder haben sich ebenfalls sehr schnell und sehr intuitiv in das eXplorarium eingearbeitet, ohne dass man noch viel erklären musste. Sie arbeiten sehr eifrig und mit einer großen Begeisterung im eXplorarium, auch viel von zu Hause aus. Ihre wöchentlichen Hausaufgaben erledigen sie sehr zuverlässig. Für mich war es eine enorme Arbeitserleichterung, weil der ganze Papierkrieg entfällt und ich das Ganze bequem von zu Hause, auch mal vom Sofa aus, bearbeiten und kontrollieren kann oder auch hier in der Schule an den PC gehe, ohne großartig etwas hin und her schleppen zu müssen. Selbst im Urlaub habe ich einfach mal reingeguckt. Für die Kinder war es auch angenehm, weil sie mal mit einem anderen Medium arbeiten konnten, nicht immer nur mit Stift und Papier. Gerade die Kinder, die mit dem Schreiben Probleme haben, können am Computer wesentlich besser arbeiten.

Hatten Sie durch ihr Studium bereits Erfahrungen mit Lernplattformen und eLearning?

Gar nicht, allerdings nutze ich schon, seit ich unterrichte, das Internet zur Suche nach Online-Aufgaben, nach Möglichkeiten, mit den Kindern Online-Übungen zu machen, im Bereich Sachkunde beispielsweise. Aber dabei ist man immer auf eine lange Internetrecherche angewiesen, und es dauert schon ziemlich lange, bis man da was findet. Und dann muss die Seite auch gut gestaltet sein, dass die Kinder dort z.B. spielerisch Übungen machen können. Wenn ich durch Schulungen und Fortbildungen lernen könnte, mir selber solche Übungen zusammenzustellen, wäre das noch besser.

Würden Sie die Arbeit mit dem eXplorarium gerne fortsetzen?Klassenzimmer Allegro Grundschule

Wenn die Möglichkeit besteht, führe ich das in jedem Fall in der 6. Klasse weiter und dann mit einer nachfolgenden Klasse. Ich finde, es eignet sich ganz toll, um differenziert und fächerübergreifend zu arbeiten. Das war jetzt nur die Geschichten-Werkstatt, aber ich kann mir gut vorstellen, das eXplorarium viel umfangreicher und komplexer in den Unterricht mit hineinzunehmen. Und da wir eine Laptopklasse an der Schule haben, kann man es direkt im gesamten Unterricht nutzen. Es ist eine tolle Sache, um den Unterricht aufzulockern und abwechslungsreicher zu gestalten und den Kindern andere Möglichkeiten zum Lernen zu bieten. Man sagt ja, Kinder lernen unterschiedlich - dem einen fällt es halt leichter, über dieses Medium den Stoff aufzunehmen, und der andere mag vielleicht lieber mit Heft und Stift schreiben. Dazu sollen sie auch die Möglichkeit haben.

Welche Möglichkeiten der Lernplattform haben Sie besonders genutzt?

Toll fand ich, mit Hilfe der Feedback-Funktion jedem Schüler oder jeder Schülerin einzeln, entweder sofort oder auch später eine gezielte schriftliche Rückmeldung geben zu können. Dazu habe ich jedem zum einen die Bewertungskriterien schriftlich zugesendet und dann im Text mit verschiedenen Farben Stellen markiert und kommentiert. So haben alle ein inhaltliches Feedback erhalten. Zusätzlich konnte ich jedem mit der Vergabe einer Punktzahl ein Leistungs-Feedback geben. Gleiches haben die Schüler/innen auch untereinander gemacht. Und somit haben alle von max. 3 verschiedenen Personen Hinweise über die Arbeit erhalten und konnten diese entsprechend überarbeiten. Durch die Möglichkeit, sich jederzeit über die aktuellen Arbeitsergebnisse informieren zu können, ist es mir nun möglich das Arbeits- und Leistungsverhalten des Schülers noch einmal besser einschätzen zu können.

Im Bereich Sprach- und Leseförderung gibt es schöne Differenzierungsmöglichkeiten, so kann ich verschiedene Ordner anlegen und die Kinder je nach Niveau arbeiten lassen. Das ist viel leichter, als für die Kinder ständig die Kopien zu ziehen, hin und her zu flitzen und so einen „Kopieunterricht“ zu machen. Das ist auch ein viel kostengünstigerer Unterricht, weil ich nicht Tausende von Arbeitsheften bestellen kann und die Schule gar nicht Möglichkeit hat, für so einen superdifferenzierten Unterricht für jedes Kind das entsprechende Material zu kaufen. Und so kann ich die Übungen bequem online stellen und das Kind kann sich hoch arbeiten. Toll sind Gruppenarbeiten und Schreibkonferenzen, weil man ganz einfach einstellen kann, dass vielleicht nur 3 Schülerinnen an einem Text arbeiten, die sich auf diese Arbeitsweise schnell einstellen und sich mit gezielten Aufgabenstellungen Rückmeldungen geben können.

Außerdem werden sie dadurch toll befähigt, mit dem Computer auf eine andere Weise umzugehen, als sie es vielleicht privat machen würden. Und sie werden dadurch fit gemacht, auch im Bereich Textbearbeitung oder bei der Internetrecherche, die auch für die anderen Fächer wichtig ist.

Was fanden Sie ansonsten sinnvoll?

Wir haben das eXplorarium nicht nur für die Geschichtenwerkstatt genutzt, sondern z.B. den Seitenblock für die Hausaufgaben mit Terminen genutzt. Das kann man ja wunderbar einstellen, dass das Einreichen nur bis zu einem bestimmten Datum erlaubt ist und dann nicht mehr oder auch noch nachgereicht werden kann. Das haben wir alles ausprobiert und da waren sie dann teilweise ganz entsetzt. Das finde ich übrigens toll, dass man auch gleich sieht „Verspätet eingereicht“ oder „Nachgereicht“. Dann habe ich den Countdown mit dem Smiley eingesetzt, der weint, wenn das Einreichen vorbei ist. Das ist für die Kinder ein visueller Hinweis, okay, jetzt habe ich noch 3 Stunden, um etwas einzureichen. Und den Kalender fand ich sehr nett, weil die Termine auch farblich markiert sind, für den Kurs und für andere Gruppen, und hab da auch die ganzen Termine für die Klasse reingestellt und das nehmen die Schüler/innen auch wahr.

Welche Rolle spielt die Unterstützung durch die Dozentin?

Das ist superwichtig, es ist ganz was anderes, wenn mir das jemand persönlich am Computer zeigen kann und ich kann es dann nachmachen und auch hier mit den Schüler/innen vor Ort, wenn Probleme auftreten, dass sie sofort sagen kann, guck mal, das machst du so und so. Es ist extrem wichtig, sie als Ansprechpartnerin zu haben und mal eine Mail hinzuschicken und gleich eine Rückmeldung zu bekommen.

Wie sieht Ihr Fazit nach zwei Monaten eXplorarium aus?Klassenfoto Allegro Grundschule

Klasse! Die Schüler/innen haben sich unglaublich schnell eingefunden ins eXplorarium, sie haben tolle Texte geschrieben, haben super damit gearbeitet und auch von sich aus experimentiert. Sobald sie ihren eigenen Zugang hatten, haben sie geschaut, was habe ich hier für Möglichkeiten, was kann ich da alles machen, unabhängig von den Aufgabenstellungen, von der Änderung des Passwortes bis hin zum Hochladen von Bildern. Ich selbst hatte unglaublich viel Spaß und möchte das unbedingt weitermachen! Interessanterweise haben die Kinder zu Hause gar nicht so viel erzählt. Das eXplorarium habe ich dann auf einer Elternversammlung vorgestellt, dazu hatte ich zwei Kinder eingeladen, um den Eltern zu zeigen, was wir hier so machen. Da kamen überwiegend positive Rückmeldungen oder Reaktionen wie „Ah, deshalb sitzt mein Kind jetzt noch abends am Computer und möchte unbedingt ins Internet und muss noch was schreiben.“ Die Eltern waren begeistert und interessiert und auch erstaunt, wie versiert die zwei das vormachen konnten.